Heiße News vom Motorsport

Geballte Frauenpower im Rennsport

DTM erleben

Quelle: Flickr / Rowan-Harrison

Sie: „Das Auto ist kaputt. Es hat Wasser im Vergaser.“
Er: „Wasser im Vergaser? Das ist doch lächerlich!“
Sie: „Ich sag Dir das Auto hat Wasser im Vergaser!“
Er: „Du weißt doch nicht mal, was ein Vergaser ist! Ich werde das mal überprüfen. Wo ist das Auto?“
Sie: „Im Pool…“

Frauen und Autos, ein Komplex, welches schon vielfach Witzen wie diesem zum Opfer fiel. Wer auf bekannten Videoplattformen „Auto und Frau“ eingibt, findet sicherlich das eine oder andere Video einer Fahrerin, die nicht in eine Parklücke hereinkommt oder gar samt Fahrzeug umkippt. Doch heutzutage gibt es schon weitaus mehr weibliche Autobesitzerinnen als noch vor einiger Zeit; Anfang des Jahres waren es fast 35% der PKW-Halter – und der Anteil nimmt stetig zu. Grafiken des Kraftfahrt-Bundesamtes belegen:

Tia Norfleet als erste Afro-Amerikanische Nascar Fahrerin

Tia Norfleet, erste Afro-Amerikanische Nascar-Fahrerin. Quelle: Flickr / Safe America

Auch schnell fahren tut Frau ebenso gut und gerne wie Mann. Beide zahlten in den letzten Jahren horrende Summen, primär aufgrund von Geschwindigkeitsüberschreitungen. Wie kommt es dann also zu solch klischeebehafteten Vorurteilen, dass Frauen nicht autofahren oder gar parken können?

Von Vorurteilen geprägtes Bild

Zwei Frauen fahren über die Landstraße, als ihr Auto unvermittelt stehenbleibt.
Voller Sorge fragt die Beifahrerin: “Carin, was ist denn lo?. Warum halten wir?”
Carin antwortet: “So wie es aussieht, ist das Benzin wohl leer.”
Voller Bewunderung und mit großen Augen sieht die Beifahrerin Carin an und sagt:
“Wahnsinn, wie Du Dich mit Autos auskennst. Also, ich wär wahrscheinlich einfach weitergefahren!”

Denken wir an Motorsport, fallen uns sofort Männer in schnittigen Wagen ein, mit reichlich Pferdestärken unterm Hintern und auf kurvenreichen Rennstrecken. Frauen nehmen zumeist nur eine sekundäre Rolle ein, leicht bekleidet und fernab von Straße und Steuer.

Milka Duno beim Indy Car Rennen

Quelle: Flickr / Fotos pilotos

In der Realität gibt es jedoch nicht nur Grid oder Nummern Girls, sondern auch eine immer größer werdende Anzahl an erfolgreichen Rennfahrerinnen, die ihren männlichen Kollegen auch diese wohl letzte übrig gebliebene Männerdomäne strittig machen.

Doch wer sind diese sagenumwobenen Frauen hinterm Steuer in der nun zunehmend geschlechterneutral werdenden Rennsportwelt? Während Elisabeth Junek die Formel 1 schon in den 1920er Jahren unsicher machte, wurden in anderen Fahrdisziplinen erst deutlich später weibliche Erfolge verzeichnet.

Zahlreiche erfolgreiche Fahrerinnen

Michele Mouton beim RAC Rally UK 1984

Michele Mouton 1984. Quelle: Flickr / cliveh55

Als Pionierin ist hier die Französin Michele Mouton, auch bekannt als „der Vulkan“,  zu nennen. Seit Anfang der 1980er Jahre fuhr sie in Rallye-Weltmeisterschaften mit, gewann 1981 als erste Frau einen WM-Lauf und wurde im darauf folgenden Jahr wenigstens noch Vizemeisterin. Heute ist sie als Vorsitzende der „Frauen & Motorsport-Kommission“ tätig und setzt sich hier erfolgreich für die Interessen von Frauen im Autorennsport ein.

Die Deutsche Ellen Lohr begann ihre Karriere, wie die meisten Rennfahrer, in einem Kart. 1988 fuhr sie als Werksfahrerin von VW in der Formel 3 und trat dort

Unterwegs im Ringtaxi

Sabine Schmitz im Renntaxi. Quelle: Flickr / *fotopiti*

unter anderem gegen Größen wie Michael Schuhmacher und Heinz Harald Frentzen an. Ihre größten Erfolge waren der zweite Platz in der Formel 3 Europameisterschaft in Monaco sowie der erste DTW-Sieg einer Frau. Seit Anfang des Jahres 2012 fährt sie für das tankpool24 Racing Team in der FIA ERTC Truck Racing Europameisterschaft.

Jutta Kleinschmidt ist ein Name, der den meisten Motorsportanhängern sicherlich ein Begriff ist. Die studierte Physikerin ist bis heute die wohl erfolgreichste Frau hinterm Steuer eines Rennwagens. Als bislang einzige Frau gewann sie im Jahre 2001 die Rallye Dakar. Dies schaffte sie noch ein weiteres Mal, belegte jedoch auch mehrere zweite Plätze im Rallye-Marathon-Weltcup, was sie in der Gesamtwertung auf dem zweiten Rang stehen ließ. Die Rallye Dakar findet einmal jährlich statt und gilt als das längste und eines der härtesten Wüsten-Offroad-Rennen weltweit. 2001 bekam sie diverse Auszeichnungen zur Sportlerin des Jahres vom ADAC, der ARD und anderen.

De Villiers mit Kollegem beim Touringrennen

Giniel De Villier. Quelle: Flickr / e d o

Einige Jahre fuhr Kleinschmidt gemeinsam mit ihrer schwedischen Kollegin Tina Thörner. 1999 wurden sie in Dakar Dritte.

Mit ihren späteren Kollegen, der Südafrikanerin Giniel de Villiers oder den katarischen Fahrer Nasser Al-Attiyah, konnte sie diverse Triumphe feiern.

Christina Surer beweist der Männerwelt wo es langgeht

Christina Surer. Quelle: Flickr / az1172

Als Ex-Frau eines ehemaligen Formel 1 Piloten und heute Verlobte von DTM-Pilot Martin Tomczyk, teilt Christina Surer mit ihren Partnern stets ihre Leidenschaft für schnelle Autos. Nicht nur wegen ihrer grazilen Gestalt oder den sechs Sprachen, die sie spricht, beeindruckte sie Ferrari-Boss Stefano Domenicali sichtlich, auch im Seat Leon Supercopa bewies die Schweizerin 2004 und 2009 stets ihr Können.

Schmitz und andere beim 24h Nürburgring

Quelle: Flickr / Ole 1981

Rennfahrerin und Sport1-Moderatorin Sabine Schmitz ist nicht umsonst als uneingeschränkte Königin der Nordschleife des Nürburgrings zu bezeichnen. Viele Jahre steuerte sie das Ringtaxi und fährt heute einen Porsche 997 GT3 im gleichnamigen Cup. Ihrer Schätzung zufolge hatte sie bis 2010 bereits etwa 20.000 Runden auf der Nordschleife zurückgelegt, Tendenz stetig steigend – eine Zahl, die viele aktive Rennfahrer in ihrer Karriere nicht schaffen. 2008 legte sie im Rundstrecken-Challenge Nürburgring mit 7:07 die schnellste dort mit einem Saugmotor jemals gefahrene Rundenzeit hin.

Als eine der wenigen Frauen wurde Danica Patrick bereits mit der Formel 1 in Verbindung gebracht. 2005 startete sie ihre IndyCar-Laufbahn und gewann dort drei Jahre später als erste Frau ein Rennen. In den USA zählt sie als erfolgreichste Rennfahrerin und es wird auch schon von einem Wechsel in die Königsklasse gesprochen. Dies ist jedoch nicht bestätigt worden. 2012 war sie in der NASCAR tätig und ist in diesem Jahr Stammpilotin bei Steward Haas Racing im Sprint Cup.

Anspannung vor dem Rennen: Stoddart

Susie Stoddart. Quelle: Flickr / crosathorian

Die „Tigerin im Überrollkäfig“ Burcu Cetinkaya fährt seit 2012 in der Qatar National Rally Championship und lässt ihre männlichen Kollegen mit dem Peugeot 207 S2000 dort oftmals alt aussehen.

Vor allem aber in der DTM versuchen sich die Frauen zunehmend. Vanina Ickx und Susie Stoddart fuhren 2006 und 2007 in der  Deutschen Tourenwagenmeisterschaft mit, blieben aber beide erfolglos.

Legge bei der DTM

Katherine Legge. Quelle: Flickr / poolie

Auch Britin Katherine Legge konnte hier keinerlei Punkte holen, es gelang ihr jedoch, im Jahre 2009 die schnellte Rennrunde auf dem Norisring zu fahren.

Was bringt die Zukunft?

Wie es in Zukunft aussehen soll, ist fraglich. Vereine wie die „Frauen & Motorsport-Kommission“ werden dabei helfen, weiblichen Fahrern mehr Selbstsicherheit und Vertrauen zu geben. Doch seien wir mal ehrlich: Auch wenn es schon viele sehr erfolgreiche Frauen hinter dem Steuer gab und gibt, wie weit soll Emanzipation und Geschlechterneutralität hier gehen? Offensichtlich gab es schon viele erfolgreiche Frauen hinter dem Steuer eines Sportwagens und es wird sicherlich auch Zeit für einen Mentalitätswechsel. Wir wünschen uns mehr Mischung und Abwechslung, vor allem, um wieder frischen Wind in die Branche zu bringen.

Ohne Grid Girls wäre die Formel 1 nicht das gleiche

Quelle: Flickr / SPYDERMAN360

Wollen wir deshalb jedoch auf Automessen und Rennevents auf die schönen Damen am Rand der Strecke verzichten? Sollten wir vielleicht noch weitergehen und nun halbnackte Männer auf den Autos liegen lassen? Im Namen aller Frauen und Autofans sage ich mal: NEIN DANKE!

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